Das schwäbische Pantheon glänzt mit neuen Ausstellungsräumen
Das Schiller–Nationalmuseum wurde am 30. Oktober wiedereröffnet. Nach
einer mehrjährigen Umgestaltung ist es klassisch schön geworden.
Es gibt viele Möglichkeiten, diesen denkwürdigen Tag in Marbach zu beginnen. Wir wählen eine akustische Ouvertüre. Aus einem Lautsprecher, gleich neben dem Literaturmuseum der Moderne, erklingt ein politisches Gedicht von Bertolt Brecht. Auch so ein Flüchtling, der es nicht mehr ausgehalten hat in einem Land, in dem es keine Gedankenfreiheit gab. Der Text wendet sich an die Nachgeborenen und beginnt mit den berühmten Worten: „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten“.
Nun ist es nicht so, dass in Deutschland aktuell ein Diktator wüten würde, wie zu Brechts Zeiten, oder ein strenger Herzog, der einen 22-jährigen Militärarzt und Verfasser eines revolutionären Stücks im Jahre 1782 zur Flucht nach Mannheim trieb.
In unserer Demokratie ist es – dem Grundgesetz sei Dank – erlaubt, gegen die Mächtigen anzuschreiben.
Doch wenn man bedenkt, an wie vielen Orten der Welt inzwischen wieder Figuren das Heft des Handels übernommen haben, die sich wie Alleinherrscher aufführen, ist es wichtiger denn je, an einen Mann zu erinnern, dem die Freiheit über alles ging: Friedrich Schiller.

Die neue Ausstellung, die am 30. Oktober 2025 mit hohem Besuch aus Berlin und Stuttgart offiziell eröffnet wurde, heißt „Schiller!“, und damit ist im Grunde alles gesagt. Friedrich Schiller, der am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren wurde, ist viel mehr als ein Meister des Worts, viel mehr als ein Dichter, der Figuren schuf, die auch 250 Jahre nach ihrer literarischen Geburt noch so frisch und so lebendig wirken wie damals.
Seine Gedichte, seine Dramen, seine theoretischen Schriften und seine Briefe sind beispielhaft. Sie leuchten von Marbach aus, wo sie gehütet und gezeigt werden, weit hinaus ins Land. Auch der Marbacher Tempel der Schiller-Verehrung besitzt diese Fähigkeit. Das dem Pantheon in Rom nachempfundene Nationalmuseum ist erhaben. Jeder, der es über dem Neckartal blitzen sieht, denkt sich: „Da muss ich hin!“ – Gute Idee.
Dauerausstellung in den Museumsflügeln
Wobei wir, nach einer etwas ausführlichen Annäherung, endlich über die Schwelle des neu arrangierten Museums treten. Friedrich Schiller, der das Gebäude als Denkmal im Schillerhain überragt, sieht uns dabei zu. In der Eingangshalle mit der großen Treppe ist alles wie gehabt. Wo wurden sie investiert, die 640 000 Euro, die aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Quellen zusammenkamen, um die neue Dauerausstellung zu ermöglichen? Dazu kommen 400 000 Euro, die teilweise aus eigenen Mitteln in die Bausubstanz des Literaturschlosses (Baujahr 1903) gesteckt wurden.

Auch im großen Schillersaal fehlen eindeutige Hinweise. Der beeindruckende Raum mit seiner unvergleichlichen Aussicht kann weiterhin für Festlichkeiten genutzt werden. Dass er schon bald zum Ort des Lesens und des Nachdenkens wird, ist bisher nur aus den Plänen zu ersehen. Von der entsprechenden Konstruktion – eine Kuppel knapp unter der Kuppel, die Kindern und Jugendlichen dereinst als schwebender Lesesaal dienen soll – fehlt jede Spur.

400 Glanzstücke
Die Schätze des Schiller-Nationalmuseums, sie lagern entweder im Depot oder sie werden, bei schonenden 50 Lux, in den neuen, seitlichen Räumen des Museums gezeigt. Die Beleuchtung ist gut und ausreichend. Kein Mucks stört die Betrachtung der für Schiller-Verehrer heiligen Handschriften. Auch Memorabilien wie ein Wanderstock, ein Briefbeschwerer, ein Hut und eine neue Schillerlocke wurden in die Vitrinen gelegt. Fast 400 Exponate machen die Besucher ehrfürchtig und klüger. Sie wurden thematisch so arrangiert, dass aus dem Bestand etwas ganz Neues und Großartiges wurde.
Die Eingangstür ist außer montags täglich geöffnet. Und was den Weg betrifft: Jeder ist frei, seinen eigenen Rundgang zu gestalten. Das hätte Friedrich Schiller sicher gefallen.
Michael Langjahr
Info: Die Schillerwoche 2025 in Marbach am Neckar findet vom 7. bis zum 14. November statt. Höhepunkte sind der Schiller-Sonntag sowie die Verleihung des Schillerpreises an den Pianisten Igor Levit an Schillers Geburtstag, der am Montag, 10. November gefeiert wird. Alle Veranstaltungen und Termine auf der Homepage: www.schillerstadt-marbach.de









