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Der Sommer geht leise

Es ist passiert, fast unbemerkt. Eben noch standen die Fenster Tag und Nacht offen, die Abende waren lang und warm. Jetzt liegen die Temperaturen frühmorgens im einstelligen Bereich. Auch im Garten lässt sich der Wechsel der Jahreszeiten nicht mehr übersehen. Kürbisse haben sich rund und schwer gemacht, Pflaumen und Äpfel sind reif. Und dann ist da dieses Licht. Es ist vielleicht das deutlichste Zeichen. Vor einem Monat war es hell, grell und manchmal fast zu viel. Jetzt fällt es weicher durch die Fenster, die Schatten werden länger und am späten Nachmittag sieht die Welt nach Herbst aus. Ein anderes Licht, ein anderer Ton – und dann wird einem bewusst, dass der Sommer geht. Vielleicht ist das der Moment, in dem die leise Wehmut kommt. Sie sitzt auf der Fensterbank, wenn es draußen früher dunkel wird. Sie steckt in den letzten warmen Abenden auf der Terrasse. Und sie liegt in dem Gedanken, dass man die schönen Tage eigentlich viel besser hätte genießen sollen. Kaum hat man sich vom Sommer verabschiedet, kündigt sich schon Weihnachten an. Aber bis dahin darf es ruhig noch ein bisschen Herbst sein. Mit Äpfeln, Kürbissen und diesem ganz besonderen Licht.
Und mit einem Glas Rosé „Pigalle“ vom ältesten Walliser Weingut, genossen im Garten bei Sonnenuntergang – eine wunderbare
Erinnerung an großartige Tage in den Bergen.
Angelika Tiefenbacher

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