StartAktuellesKultur & EventsInterview: Paul van Dyk setzt dem Sound im Schlosshof die Krone auf

Interview: Paul van Dyk setzt dem Sound im Schlosshof die Krone auf

Am 12. September tritt eine deutsche DJ-Legende in Ludwigsburg auf. Paul van Dyk ist bei „Crown of Sound“ – wir sprachen mit dem Zeremonienmeister am Pult.

Aus dem Lautsprecher des Telefons dringt elektronische Musik, dann plötzlich die sympathische Stimme der Frau, die das Interview mit einem der größten DJs aller Zeiten eingefädelt hat. Sie fragt, ob man bereit sei. „Ja“. Gleiches will sie vom Stargast wissen, den sie Herr van Dyk (gesprochen: „van Dük“) anredet, obwohl alle Welt nur Paul oder noch kürzer PvD zu ihm sagt. Die Verbindung steht. Es kann losgehen.

Schönen guten Morgen nach Beelitz. Wie ist das werte Befinden?
So weit so gut. Obwohl ich bereits einige Interviews hinter mir habe, ist der Tag sehr entspannt. Viel entspannter als ein Tourneetag.

Bevor ich weitere Fragen stelle, würde ich gerne wissen, wie ich Sie anreden darf? Passt Paul?
Paul ist gut.

Ich möchte gerne mit einem Blick in die Vergangenheit beginnen, Paul. Kannst Du Dich noch an frühere Auftritte im Schwabenland erinnern. Ich denke da an die 90er-Jahre als wir Jugendliche im Stuttgarter Techno-Club Oz die Nächte durchgefeiert haben?
Da war ich natürlich auch am Start. Ich erinnere mich aber auch an einen schönen Auftritt im Juni vor einem Jahr in Stuttgart. Da habe ich im Proton gespielt. Die Stimmung war genial.

Wie unterscheidet sich das Stuttgarter Publikum von dem in Berlin oder Frankfurt?
Ich mache da grundsätzlich keine Unterschiede. Für mich zählt immer nur der Abend, die Interaktion mit den Leuten. Es geht darum, dass wir gemeinsam eine gute Zeit haben. Das gilt für Berlin, für Frankfurt und genauso für Stuttgart.

In Ludwigsburg bist Du aber noch nie aufgetreten?
Nein. Da war ich noch nie. Aber ich freue mich sehr darauf. Vor allem wegen der Location.

Der Ehrenhof des Residenzschlosses kocht. Im Zeichen der Krone heizen bei „Crown of Sound“ DJs mit schnellen Beats ein. Foto: Swen Lang

Dazu später mehr. Aber zuerst würde mich interessieren, wie wichtig die Technik für Deine Art von Musik ist?
Das ist ganz leicht zu beantworten. Die Technik bestimmt die Instrumentierung. Ich sitze gerade in meinem Studio und Blicke auf meine 303 und meine 909. Das sind Geräte von Roland aus den späten 80er-Jahren. Ohne sie hätte es das, was wir als Trance, House oder Techno kennen, nicht gegeben. Technik war also immer wichtig und natürlich hat sie sich weiterentwickelt. So gibt es heute frequenzbasierte Kompressoren, mit denen sie Songs noch fetter rüberkommen.

Technik beeinflusst aber nicht nur den Sound, sie beeinflusst auch die Show. Ich denke da an das sogenannte Mapping, mit dem sich gerade an den Mauern des Ludwigsburger Schlosses einiges anstellen lässt.
Das ist natürlich fantastisch. Ich habe da schon viele geniale Sachen gesehen. Ich erinnere mich gut an das „Festival of Light“ im Berliner Dom. Da wurde bei meinem Auftritt die gesamte Innenseite gemappt und auf einmal war es so, als würden alle Mauern zusammenbröckeln. Das war eine riesige Illusion. Wenn dann, wie in Ludwigsburg, das Neueste in Sachen Produktions- und Eventtechnik dazukommt, und wenn meine Musikerkollegen und ich versprechen, an diesem Abend musikalisch alles aus uns herauszuholen, dann wird das garantiert ein unvergesslicher Auftritt.

Paul. Ich würde gerne auf das Thema Clubs zu sprechen kommen. In fast allen deutschen Städten schließen die Musikclubs oder Discos, wie man früher gesagt hat. Woran liegt das? Und. Inwiefern sind Veranstaltungen wie „Crown of Sound“ eine große Chance, die Begeisterung für Nächte in einem Elektro-Club neu zu entfachen?
Die Vielfalt der Events – das ist es, worauf es ankommt. Neue Ideen, neue Sounds, neue Stilrichtungen werden immer in den Clubs entwickelt. Meistens von den Resident-DJs. Sie haben die Macht, durch Wiederholung die Hörgewohnheiten der Leute zu verändern. Events, wie das in Ludwigsburg, haben eine andere Bedeutung. Zu „Crown of Sound“ kommen auch viele, die zunächst nur der tollen Location und des gigantischen Events wegen da sind. Dann hören sie die Musik, lassen sich darauf ein, und haben auf einem eine geniale Zeit, vielleicht sogar einer Art Erweckung. So werden aus Festivalgäste im Idealfall neue Clubbesucher. Aber natürlich. Es gibt leider viele Clubs, denen es nicht besonders gut geht. In den USA noch viel stärker als in Deutschland. Mir ist es wichtig, sowohl in Clubs also auch bei Events aufzutreten.

Finale Frage. Du bist ja auch schon etwas über fünfzig und seit 40 Jahren im Geschäft. Ist somit das Festival mit Dir im Schloss auch ein Treffen der Elektro-Generationen. Die Techno-Enthusiasten der frühen Jahre treffen auf die Jungen und alle Feiern gemeinsam. Also Gäste von 20 bis 90?
Na, 90 nicht unbedingt. Aber in die Sechziger geht’s auf jeden Fall. Also von 20 bis Mitte sechzig, würde ich sagen. Ich habe das Glück, dass bei meinen Veranstaltungen immer Vertreter aller Generationen am Start sind. Das hat sich in Laufe meiner Karriere so entwickelt. So wird es auch in Ludwigsburg sein. Und da bin ich auch sehr froh drüber.

Lieber Paul. Herzlichen Dank für das Interview und auf bald, spätestens aber am 12. September bei „Crown of Sound“. Michael Langjahr

Samstag, 12. September 2026
15 Uhr bis 23 Uhr
Crown of Sound mit
Paul van Dyk
https://crownofsound.de
Online-Vorverkauf:
ticket.eventstifter.de

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