StartAktuellesKommentarKirschblüten-Kurzruhm

Kirschblüten-Kurzruhm

Kaum blühen sie vor dem Kindergarten in der Reichertshalde, wird aus dem Gehweg eine kleine Pilgerstrecke: Spaziergänger, Gassigeher, Joggerinnen, Kinder – alle bleiben stehen, zücken das Handy und hoffen auf knallblauen Himmel als Fotofilter des Wettergotts. Die japanische Blütenkirsche kann das: eine Woche lang Superstar, 51 Wochen lang Kandidatin für „Botanischer Problemfall“. Auch ich wurde schwach, griff zur Gartenschere und holte mir den Frühling in die Vase. Zart duftend, atemberaubend schön – und von der Haltbarkeit her ungefähr auf dem Niveau eines guten Vorsatzes. Kaum zuhause, rieseln die Blüten auch schon wieder. Draußen am Baum nicht anders: ein kurzer Auftritt, dann Blütenregen und Ernüchterung. Noch schlimmer trifft es meist nur die Magnolien, die sich regelmäßig vom Frost in braune Mahnmale verwandeln lassen. Vielleicht ist die Zierkirsche also vor allem eines: eine charmante Erinnerung daran, dass Schönheit vergänglich ist. Und dass einheimische Bäume zwar weniger Glamour, aber mehr Sinn für Bienen haben.

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