StartAktuellesKommentarÜbrigens: Miau!

Übrigens: Miau!

Von den Azoren kommt viel Erfreuliches zu uns. Das schöne Wetter in Form eines Hochs zum Beispiel, oder, und davon handelt dieser Text: zwei kleine Katzen. Die Stubentiger hatten in ihrer Heimat einen schweren Stand. Für das harte Leben in den wilden Katzenkolonien der Insel waren sie zu schwach. Insulaner, die sich ihrer annehmen würden, suchten Tierschutzorganisationen vergeblich. Und so wurden die beiden Kätzchen eben an eine Familie in Deutschland vermittelt. Im konkreten Fall lautet die Destination: Pirmasens. Ob die Kätzchen wissen, worauf sie sich da eingelassen haben? Nichts gegen die Stadt in Rheinland-Pfalz. Aber im Gegensatz zur großen italienischen Schwester mit den sieben Hügeln (Rom) hat das ebenfalls auf sieben Erhöhungen gebaute Pirmasens seine beste Zeit hinter sich. Stichwort: Untergang der Schuhindustrie, für die die Stadt einmal so bekannt war, wie Rom für das Römische Reich. Ob die beiden Azorenkatzen Pirmasens ein neues Hoch bescheren werden? Das ist ebenso fragwürdig, wie die Ökobilanz der Rettungsaktion per Luftpost und mit dem Auto einmal Pfälzer Wald – Frankfurt Flughafen und zurück. Auch in Pirmasens gibt es ein Tierheim mit Katzen ohne Familienanschluss. Sie heißen Bella, Stella und Pamuk und hätten sich sicher gefreut, in der Heimat von netten Menschen aufgenommen zu werden. Doch in diesen Zeiten, wo jeder cooler sein will als der andere, hält sich keiner mehr an das alte Goethe-Wort: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“. Was für die beiden Kätzchen von den Azoren die Rettung ist, bedeutet für die Katzen im Pirmasenser Tierheim großes Pech. Aber vielleicht erbarmt sich ja eine Familie auf den Azoren. Dann würden sich womöglich die Wege der tierischen Passagiere in der Luft kreuzen. Wirklich. Wir leben in verrückten Zeiten. Michel

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