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Wenn die Sonne petzt…

Kaum zeigt sich im Frühling die Sonne, wird sie vom Hoffnungsträger zum Denunzianten. Plötzlich sieht man alles: Staub auf Regalen, Schlieren auf Fenstern und Ecken, in denen offenbar schon eine eigene Zivilisation entstanden ist. Also beginnt er wieder, der Frühjahrsputz – jener alljährliche Versuch, das Leben kurzzeitig in den Griff zu bekommen.
Bei uns gehörte traditionell auch das Ausmisten dazu. In meiner Kindheit war d „meine“ Esszimmerbank ein geheimes Zwischenlager für alles, was weder nützlich noch wegwerfbar war. Flummis, Schneckenhäuser, Puzzles mit fehlenden Teilen, kaputte Barbiekleidung – das kulturelle Erbe einer Kindheit.
Ich stopfte alles hinein. Bis die Bank eines Tages die Zusammenarbeit kündigte. Als ich mich setzte, krachte der Boden durch – unter der Last meiner Schätze und meines Gewichts. Danach war für meine Eltern klar: Nie wieder Bänke. Seitdem gibt es nur noch Stühle. Die sammeln zwar keine Erinnerungen – brechen dafür aber später zusammen.

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