Wer eine Katze hat – Freiläufer mit Katzenklappe – kennt dieses Phänomen: Besuch zu nachtschlafender Zeit, unangemeldet und lautlos. Unser Kater bevorzugt eine bestimmte Landezone: meine Beine. Mit einem satten Plumps materialisieren sich fünf Kilo flauschiger Wohlfühlmasse auf mir, gefolgt von einem zufriedenen Schnurren. In vielen Nächten schlafe ich selig weiter. Doch dann gibt es Nächte, in denen mein Körper signalisiert, dass eine Drehung keine schlechte Idee wäre. Ein kleiner Positionswechsel, nichts Dramatisches. Aber unter mir: ein Wesen, das der Meinung ist, dass ich ausschließlich zu seiner Bequemlichkeit existiere. Also bleibe ich liegen. Still. Reglos. In ehrfürchtiger Rücksichtnahme. Dass derselbe Kater keine Skrupel hat, mitten in der Nacht lautstark seine Existenz zu verkünden, wird in diesem Moment großzügig ausgeblendet. Doppelmoral? Vielleicht. Katzenlogik? Ganz sicher. Und so harre ich aus. Minute um Minute. Mein Bein schläft ein, mein Rücken meldet sich, und irgendwo in der Ferne winkt bereits der Muskelkater. Aber der Kater – der schnurrt. Glücklich. Unerschütterlich.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wir glauben ja gern, wir hätten einen Kater. In Wirklichkeit aber sind wir lediglich eine sehr bequeme, nachts beheizte Matratze – mit gelegentlichen Bewegungsambitionen, die es sich abzugewöhnen gilt.
A. Tiefenbacher





