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Niedlich oder nervig?

Die Feldmaus hat ein Imageproblem – und gleichzeitig erstaunlich viel Charme. Wer schon einmal zwei junge Exemplare gesehen hat, die voller Lebensfreude eine Zeltwand hinabrutschen, versteht kurz, warum man sie rührend findet. Kleine, flinke Körper, große Neugier, ein bisschen Tollpatschigkeit – fast schon niedlich.
Neulich brachte unsere junge Kollegin eine geschwächte Feldmaus mit, die sie in hilfloser Lage gefunden hatte. Sie setzte sie in einen durchlöcherten Schuhkarton, versorgte sie mit Wasser und fuhr sie nach einem Anruf mit dem Taxi (E-Bike) in ein Hotel mit Vollpension (Tierheim) zum Aufpäppeln. Das war auch noch irgendwie rührend. Doch meine Zuneigung kippt spätestens bei der sogenannten Säuglingsträchtigkeit: Die Mäusebabys werden 17 bis 19 Tage gesäugt. Während dieser Zeit, im Alter von zwölf bis 14 Tagen, werden sie geschlechtsreif und können quasi an der Mutterbrust schon begattet werden. Im Alter von 33 Tagen können Feldmausmädchen erstmals Mama werden.
Aus Rührung wird Realität. Als Katzenbesitzerin bekomme ich zudem oft „Geschenke“ in Mäuseform, ob lebend zum Üben oder tot, weil der Kater endlich verstanden hat, dass ich zu dumm zum Killen bin und er sie mir lieber gleich essfertig serviert.
So bleibt die Feldmaus ein ambivalentes Wesen: im Babyformat niedlich, als „Geschenk“ und Schädling fragwürdig. Und irgendwo dazwischen liegt die Erkenntnis, dass Natur selten nur niedlich oder nur lästig ist – sondern beides gleichzeitig.

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