Geburtstage sind der letzte analoge Leistungstest in einer digitalen Welt. Rechnungen werden automatisch bezahlt, der Kühlschrank meldet sich per App – aber sich merken, dass der beste Freund am 12. und nicht am 17. Mai Geburtstag hat? Offenbar unmöglich. Zumindest für mich. Ich bin eine schlechte Geburtstags-Merkerin. Die engste Familie bekomme ich gerade so hin – dank heimlicher Blicke in den Kalender.
Das Peinliche: Ich selbst bekomme jedes Jahr viele liebe Nachrichten von Menschen, die seit Jahrzehnten an mich denken. Das rührt mich – und belastet mich moralisch. Denn ich weiß: Diese Gedächtnisenergie kann ich nie zurückzahlen.
Natürlich habe ich einen Geburtstagskalender. Ich schaue nur nie hinein. Kürzlich gratulierte ich einer alten Studienfreundin besonders früh. Leider hatte sie erst zwei Monate später Geburtstag. Manche Menschen merken sich Daten. Ich merke mir nur die Scham danach.





