Der Januar ist ein zäher Geselle. Kaum hat man den Weihnachtsbaum auf dem Wertstoffhof abgeladen, steht er da – mit grauem Himmel, eisigen Fingern und der Absicht, lange zu bleiben. Mitte Januar haben die meisten alles erledigt, was sie sich vorgenommen hatten. Die guten Vorsätze sind höflich verschwunden und der Glühwein schmeckt nach Pappe. An die Steuererklärung für 2025 mag ohnehin noch niemand denken. Trotzdem: Der Januar bleibt. Er streift morgens über den Ludwigsburger Marktplatz und pustet durch die Kirchstraße. Man geht langsamer, bleibt öfter stehen, pustet in die kalten Hände – und stellt fest: Der Winter zwingt uns zu Pausen.
Das ist vielleicht gar nicht das Schlechteste. Während der Januar draußen friert, rückt man drinnen näher zusammen – bei einer Tasse Tee, einem kurzen Plausch oder der stillen Freude, dass der Februar schon leise anklopft. Ob dann alles besser wird? Gleichzeitig hat der Januar etwas Ehrliches. Er tut nicht so, als wäre er schon Frühling, er verspricht nichts und hält genau das. Zwischen vereisten Gehwegen und beschlagenen Fenstern entsteht Raum für Gedanken, die sonst keinen Platz finden. Und so lernt man jedes Jahr aufs Neue, dass selbst ein zäher Geselle seine Berechtigung hat – wenn auch nur, damit man den Abschied umso mehr schätzt.



