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Freitag, 5. Dezember 2025
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Eins links, eins rechts, eins fallenlassen…

Stricken ist wieder en vogue. Männer stricken, in Kinos klappern die Nadeln, und sogar Bäume tragen im Winter Wollmäntel. Ich habe das Stricken bei meiner Oma gelernt, einer Meisterin ihres Fachs.
Nach den ersten Schals kamen Mützen, Socken, Jacken – irgendwann sogar mit kompliziertem Zopfmuster. Oma kannte Kniffe, die in keinem Ratgeber stehen: wie man den Rand schön hinbekommt oder verlorene Maschen rettet, bevor sie endgültig abstürzen. Leider hapert es bei mir mit der Fertigstellung. Seit Jahren liegt ein angefangener Pullover im Schrank, ein buntes Meisterwerk aus einer alten Frauenzeitschrift. Vorderteil, Rückenteil, ein Arm – alles da. Nur der zweite Ärmel fehlt. Wie so oft.
Dabei wäre jetzt genau die richtige Zeit, ihn endlich fertigzustellen. Draußen wird’s kalt, und Wolle wärmt bekanntlich nicht im Knäuel. Doch dann sehe ich sie: unzählige lose Fäden, die noch vernäht werden wollen. Ich lege das Strickzeug beiseite.
Man muss schließlich wissen, wann ein Werk vollendet ist.

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