Es gab eine Zeit, da war Fasching für mich der Höhepunkt des Jahres. Damals, beim KSV Hoheneck. Kinderfasching. Turnhalle. Luftballons. Polonaise. Ich war Rotkäppchen, Pippi Langstrumpf oder Cowgirl, nur nichts mit Glitzer. Ich wusste nicht, warum man „Helau“ ruft, aber kreischte begeistert mit. Der Boden klebte, die Musik war laut, und am Ende gab es einen Berliner. Glück war so einfach.
Jahre später kehrte ich zurück. Gleiche Halle, andere Perspektive. Diesmal nicht als Rotkäppchen, sondern als Mutter. Mein kleiner Sohn hüpfte begeistert durch den Raum, während ich mit einer Freundin am Rand stand. Verkleidung: dezent. Stimmung: schwankend. Die eigentliche Attraktion war nicht mehr die Polonaise, sondern der Rotkäppchen-Sekt. Viel Sekt. Er half erstaunlich gut gegen schiefe Karnevalslieder und gegen das Gefühl, dass man früher irgendwie näher an der Box stand. Und heute? Heute finde ich Fasching schrecklich. Zu laut, zu bunt, zu viel „Wir-haben-uns-alle-lieb“-Fröhlichkeit. Ich meide Umzüge und wechsle die Straßenseite, wenn mir jemand mit Clownsnase entgegenkommt. Aber dann stehen sie da. Schwäbische Fastnachtsküchle. Goldbraun. Mit Puderzucker bestäubt wie frisch gefallener Schnee. Sie reichen zwar niemals an die selbstgemachten Faschingsküchle meiner Oma oder die unwiderstehlichen Berliner meiner Mutter heran, aber trotzdem greife ich zu. Fasching? Nein danke. Fastnachtsküchle? Immer her damit.



